Kirchgemeinde Weixdorf mit Hermsdorf und Grünberg | kg.weixdorf@evlks.de
+ Ev.- Luth. Kirchgemeinde Weixdorf

 

Unsere Kirchenecke   

 

Aufgrund der Corona-Krise finden bis auf Weiteres keine Gottesdienste und Gemeindeveranstaltungen statt. Bitte informieren Sie sich im Internet

www.kirche-weixdorf.de und an den Schaukästen unserer Kirchgemeinde.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

in der Stadt meiner Jugend wurde wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg die folgende Geschichte erzählt:

Eine Frau war bei einem größeren Diebstahl ertappt worden. Der Fall landete vor Gericht, und bei der Verhandlung schilderte die Frau ihr Leben. Was sie da ausbreitete an Leid, Not und Verzweiflung, ließ keinen kalt. Und so reagierten alle mit Bestürzung auf das Urteil, das der Richter sprach. Denn er verdonnerte sie knallhart zu einer saftigen Geldstrafe. Eiskalt, so meinten etliche, die das Urteil hörten, und andere sagten: Der hat statt eines Herzens einen Stein in der Brust.

Als aber die Frau das Gerichtsgebäude verließ, wurde sie vom Richter erwartet. Der drückte ihr exakt die Gelkdsumme in die Hand, zu der er sie eben verurteilt hatte.

Für mich ist, seit ich ihn kenne, dieser Bericht eine erhellende Erklärung für das, was Jesu Kreuzestod für die Menschheit bedeutet und bewirkt. Da ist auf der einen Seite mit der Schuld der Frau die menschliche Schuld überhaupt (biblisch müsste ich hier von Sündenlast reden). In einem Krimi der französischen Autorin Fred Vargas klingt das mit Worten, die ein Arzt zum Kommissar sagt, extrem drastisch so: „Das wirkliche Leben ist, zugegeben, ein Haufen Scheiße, Niedertracht und Mittelmäßigkeit, darüber sind wir uns einig. Aber wir sind nun mal gezwungen, da hindurchzuwaten.“

Und auf der anderen Seite steht der Richter, der nicht sagt: „Schwamm drüber“, sondern der deutlich macht: Recht muss Recht bleiben, und wo es gestört ist, muss dafür bezahlt werden. Ganz in diesem Sinn klingt in der Bibel eines der gewichtigen Worte zur Passion so: „Dass Christus gestorben ist für unsere Sünden nach der Schrift“.

Im Klartext: Gott ist der Richter, der der Menschheit die Rechnung ausstellt für alle Niedertracht, für Hass und Frust und Lüge und Gewalt und Hetze und Terror und Neid und Gier und...

Aber da wir Menschen die Masse unserer Schulden nie werden begleichen können, schickt Gott selber seinen eigenen Sohn ans Kreuz: „Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten“.

Ich weiß nicht, ob die Frau aus der Erzählung „hinfort nicht mehr gesündigt“ hat, ich weiß nur, dass Jesu Passion an dich und mich die Einladung ist zu einem Leben, das sich nicht durch Hass, Gewalt und Gier selbst zerstört, sondern das sich der Güte, dem Frieden, der Liebe verpflichtet weiß.

In einem unserer sehr alten Kirchenlieder klingt das so:

Dein Kampf ist unser Sieg, dein Tod ist unser Leben,

in deinen Banden ist die Freiheit uns gegeben.

Dein Kreuz ist unser Trost, die Wunden unser Heil,

dein Blut das Lösegeld, der armen Sünder Teil.

 

Es grüßt Pfarrer i.R. Frieder Hecker