Kirchgemeinde Weixdorf mit Hermsdorf und Grünberg | kg.weixdorf@evlks.de
+ Ev.- Luth. Kirchgemeinde Weixdorf

Liebe Leserinnen und Leser,

In einem Kreuzworträtsel wurde nach einem anderen Begriff für „Friedhof“ gefragt – erster Buchstabe „G“- siebter Buchstabe „A“. Rätselhaft, doch dann: „Gottesacker“ na, klar. Dieses Wort ist heute nicht mehr so gebräuchlich, wirkt veraltet, überholt. Eigentlich schade. Dieses Wort beschreibt doch ein Bild, das sehr hoffnungsvoll ist. Ein Acker ist ein Stück Land, auf dem etwas wächst. Es ist gesät worden. Der Same stirbt in der Erde. Und doch kommt die Zeit, da etwas Neues entsteht. Es wird wieder grün. Was erst verborgen, wie tot erschien, erwacht zu neuem Leben.

 

„Gottesacker“, ja, da ruhen die Verstorbenen, viele unserer Lieben. Der Tod hat einen Schlussstrich gezogen. Das wird uns in diesen Tagen wieder schmerzhaft bewusst, wenn wir auf den Friedhof gehen und die Gräber mit Reisig abdecken. Noch einmal Gedanken – Erinnerungen an Unwiderbringliches. Für manch einen ein schwerer Gang. Der Verlust lieber Menschen tut weh. Doch trotzdem ist nicht alles hoffnungslos. Vom „Gottesacker“ sprachen die Generationen vor uns. Sie drückten damit eine Hoffnung aus, die sie nicht missen wollten. Mit dem Tod ist nicht alles aus. Der Tod ist nicht das Ende. Gott will nicht, dass der Tod endgültig Leben auslöscht. Das haben Menschen vor uns geglaubt. Und auch heute gilt das noch.

 

Wie denn das? Das ist für uns schwer vorstellbar. Der Augenschein spricht dagegen. Wir haben liebe Menschen begraben oder ihre Asche beigesetzt, am Ende eines Lebens, unwiderruflich. Dem kann keiner widersprechen. Doch was ist mit dem Bild: „Gottesacker?“  Sterben – Vergehen – und doch die Möglichkeit neuen Lebens. So haben es unsere Vorfahren  mit diesem Begriff zum Ausdruck gebracht. Und das haben sie nicht aus der Luft gegriffen oder in ihrer Fantasie entwickelt und sich so vorgestellt.

 

Eine Stelle in der Bibel war ihnen im Blick auf das Sterben besonders wichtig und auch tröstlich: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen – siehe, ich mache alles neu (Offenbarung 21,3-5).

 

Das Ende soll nicht das Ende sein – ein Leben, das hoffnungslos im Tod endet, ist für Gott unerträglich. Er will es anders. Das Leben kehrt im Tod zu Gott zurück. Es ist nicht einfach eine Fortsetzung eines Lebens wie hier auf Erden. Neu, ein Leben in einer ganz anderen Form, so hat es Gott geplant. Das können wir uns kaum vorstellen: nach dem Sterben noch Leben. Wir bleiben mit Gott auf immer verbunden – er bleibt an unserer Seite – Hand in Hand  - wir werden mit ihm zusammen wohnen. Solch eine Zukunft ist und bleibt letztlich geheimnisvoll, genau wie das Wachsen von jungem Grün aus vorher gestorbenen Samenkörnern. Aber das gibt es. „Gottesacker“, deshalb ist der Friedhof bei aller Traurigkeit eben auch ein Ort der Hoffnung.

 

Pfr.i.R. Johannes Affolderbach