Kirchgemeinde Weixdorf mit Hermsdorf und Grünberg | kg.weixdorf@evlks.de
+ Ev.- Luth. Kirchgemeinde Weixdorf

 

Unsere Kirchenecke   

         Die Kirchgemeinde Weixdorf lädt ein

 

Sonntag, 13.01.    9.30 Uhr Gottesdienst zum Auftakt der Allianzgebetswoche,

                                             Kindergottesdienst in Langebrück

Sonntag, 20.01.    9.00 Uhr Gottesdienst, Kindergottesdienst, Kirchenkaffee

Sonntag, 27.01.  10.30 Uhr Abendmahlsgottesdienst, Kindergottesdienst

 

"Suche Frieden und jage ihm nach", so lautet der gute Rat, der uns mit der Jahreslosung aus dem 34. Psalm der Bibel für dieses Jahr gegeben wird. Besonders reizvoll finde ich an diesem Spruch die beiden Verben: Suchen und Jagen. Ich verbringe viel Lebenszeit mit SUCHEN: Wenn ich meine Lieblingsbrille mal wieder verlegt habe, wenn mir der Haustürschlüssel beim Einsteigen in die Straßenbahn aus der Manteltasche gefallen ist, wenn sich mein Handy in der Sofaritze verkrochen hat, wenn... usw. Das alles ist oft stressig. Aber viel aufregender wird das Ganze dort, wo ich mich auf die Suche machen muss, meinen guten Ruf wieder herzustellen, das Vertrauen mir wichtiger Menschen zurückzugewinnen und insgesamt einen Zugang zu Würde, Glück, Liebe, Anerkennung zu finden.

Noch einmal ein gutes Stück lebenswichtiger wird die Angelegenheit freilich dort, wo ich Frieden suchen muss. Wo ich Frieden suchen muss in Zeiten, die nun mal sind, wie sie sind: voller Spaltung und verbaler Hochrüstung in den sozialen Medien, voller Terrordrohung und Krieg... Spätestens an dieser Stelle spüren wir, wie sehr unsere Jahreslosung ins Schwarze trifft mit ihrer Herausforderung: Suche Frieden! Die Frage ist nur: Wo?

Ich meine: Die Brille suche ich in der ganzen Wohnung, bei der Schlüsselsuche ist das Fundbüro mein Anlaufpunkt, und das Handy kann von mir aus gern bleiben, wo es ist. Wo aber suche ich Frieden? Die Antwort auf diese Frage ist von Weihnachten her denkbar einfach: Im Stall von Bethlehem. Denn von dem, der uns da aus der Krippe anschaut, heißt es ganz grundsätzlich: Er wird der Friede sein.

Seht euch allein die Hirten an, die vor dem Kind knien: Von ihrer sozialen Stellung her würdest du sie heute wohl unter den französischen Gelbwesten finden, und das wahrlich nicht ohne Grund. Aber wo sie den anbeten, der unser Friede ist, werden sie künftig das beherzigen, was hierzulande im 89er Herbst die Revolution zu einer friedlichen gemacht hat: Keine Gewalt. Ja, der, der zur Christnacht zur Welt kam, wird später denen, die ihm nachfolgen, klar so Bescheid stoßen: Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.

Ich verbringe sehr viel weniger Zeit mit JAGEN. Ich bin kein Jäger, und ich pflege nur zu wenigen Leuten Kontakt, die dieses Handwerk ausüben. Gut, ich räume ein, damals, als der erste Wolf in Sachsen auftauchte, war meine spontane Reaktion: Ich tät einen Jäger schicken. Und auch heute überleg ich, wenn ich von den vielen gerissenen Schafherdentieren lese, ob es nicht langsam Zeit wäre für eine Art "Rotkäppchenverschwörung". Aber das ist ein weites Feld...

Auf der anderen Seite weiß ich natürlich, dass viele von uns viel Zeit mit der Jagd nach bestimmten Dingen verbringen. Die Vorweihnachtszeit ist Jagdsaison nach Geschenken, in den ersten Wochen des neuen Jahres hat die Schnäppchenjagd Hochkonjunktur; und aus Ostzeiten ist mir die Jagd nach den Weihnachtswienern und dem Rollschinken, nach Orangen, Bananen und dem Rosentaler Kadarka noch bestens in Erinnerung.

Wer aber jagt dem Frieden nach? Von Weihnachten her habe ich die Weisen aus dem Morgenland vor Augen. Historiker vermuten, es seien Angehörige einer Priesterkaste aus dem heutigen Irak oder gar Afghanistan gewesen, jedenfalls: Ihre Jagd führte sie über viele hundert Kilometer nach Bethlehem, und auch sie fanden dort das Kind, von dem die Bibel verspricht: Er wird der Friede sein.

Ich denke, wenn ich auf die Weisen und die Hirten, auf diese so unterschiedlichen Menschen schaue, an einen spannenden Ausspruch von Paulus, dem Apostel. "Wenn möglich", so hat er mal geschrieben, "so weit es an euch ist, habt mit allen Menschen Frieden". Mit allen Menschen, also auch mit den Hirten und Gelbwesten, mit denen, die aus Irak, Afghanistan, Syrien oder woher auch immer nach einem Platz an der Krippe suchen, aber auch mit euren Nachbarn, mit euren Lieblingsfeinden auf Arbeit, mit Eltern, Kindern und der Schwiegermutter, mit Abgeordneten und Beamten und und und.

Sicher, wir könnten uns hier hinter der alten Volksweisheit verstecken: Es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Doch gerade von Weihnachten her sollten wir die Ermutigung zu einem neuen Anlauf spüren: Suche Frieden und jage ihm nach!

Zsuzsa Bank, die Schriftstellerin, die für ihren Roman "Der Schwimmer" vor Jahren den Deutschen Buchpreis erhielt, sagte unlängst in einem Zeitungsinterview: "Aus Weihnachten schöpfe ich die Hoffnung, dass nicht alles verloren ist, dass die Menschen irgendwann in Frieden zusammenleben."

Es grüßt Pfarrer i.R. Frieder Hecker